Mittwoch, 27. Oktober 2010

Abend am Flughafen

Ich nahm einen Zug von meiner Zigarette und blies den Rauch in den kalten Winterabend. Ein weißer Nebel entstand. Ich blinzelte mir die Müdigkeit aus den Augen und beobachtete die blinkenden Lichter der Landebahn nicht weit entfernt von meinem Haus. Ein tiefer Atemzug. Die Luft war kalt.
Ich lag draußen, eingewickelt wie eine Raupe, in einem Korbstuhl, der zum Inventar des Hauses gehörte, das ich für eine Woche gemietet hatte. Eine kleine Holzhütte, umgeben von Tannen und nahe am Flughafen. Es war billig, weil viele Menschen den Lärm der Flugzeuge nicht mochten. Ich aber liebte es. Neben mir stand eine dampfende Kaffeetasse und ein Schnulzenroman, den ich vor einiger Zeit begonnen hatte. Meine Hand hielt eine Zigarette. Sie glimmte, sobald ich einen Zug nahm. Dann fiel die Asche lautlos hinunter. Ich sah ihr dabei zu. Was wohl mit ihr passieren würde?
Müde glitt mein Blick wieder zum Flughafen. Wie von Geisterhand rauchte ich und genoss die scheinbare Stille, die wie Gleichgültigkeit wirkte. Die Lichter der Flugzeuge funkelten. Sie winkten mir zu.
Erneutes Ziehen. Die Zigarette war zu Ende. Eine Neue. Es qualmte schön. Vermischte sich mit meinem Atem. Eigentlich rauchte ich nicht. Nur im Urlaub.
Meine Decke rutschte von den Beinen und ein kalter Wind streifte sie. Eine Gänsehaut legte sich über sie. Da kam mir der Gedanke des Ausgehens. Immerhin war mir langweilig. Vielleicht war am Flughafen ja Party. Was sollte ich anziehen? Das rote Kleid, mit tiefen Ausschnitt wäre sicher gut. Es umspielt die Brüste sehr schön. Sicher eine gute Entscheidung.
Ich bestellte ein Taxi. Ein Gelbes. Extra chic. Nur für mich. Es dauerte, bis es da war. Egal. Den Taxifahrer sah ich nicht an. Der Weg war kurz, ich hätte auch zu Fuß gehen können. Aber so fühlte ich mich wichtig. Ich stieg aus und stöckelte in den Eingang. Die Türen öffneten automatisch. Die Eingangshalle wurde von sterilem Licht durchflutet. Mit meinem roten Kleid und Pelzmantel war ich ein starker Kontrast.
Es war wie ausgestorben. Eine Putzfrau kreiste mit einem Geräte durch die Halle und einzelne Passagiere hingen über den Bänken, schlafend. Ich stöckelte zur Rolltreppe, tick tick tick, um zu sehen, ob oben etwas los war.
Oben gab es eine Bar. Klein. Leer. Mit Jazz Musik. Ich mochte Jazz. Diese Musik passte zu meinem Kleid. Von Oben hatte man einen guten Überblick. Aber es gab nichts aufregendes. Ich ging zur Bar, setzte mich schwungvoll auf einen der Barhocker und bestellte einen Amaretto. Mein Blick glitt nach draußen, zu den großen Maschinen. Sie wurden bestimmt gerade geputzt und gewartet. Ob die Crew noch an Bord war? Die Maschine war groß. Groß für mich. Ich mochte große Dinge.
Ich nahm einen Schluck. Es schmeckte nach Mandeln. Wieder steckte ich mir eine Zigarette an. War Rauchen hier verboten? Würde sicher drauf hingewiesen werden, wenn es so wäre. Kräftig zog ich und versuchte Rauchkringel entstehen zu lassen. Klappte nicht. Noch ein Versuch. Noch ein Schluck.
Langeweile. Ich lies meine Beine baumeln. Nervige Strumpfhose, ich hätte keine Anziehen sollen. Der Barmann warf mir kurz einen Blick zu und putzte Gläser. Das ihn das nicht deprimierte. Mich würde es sicher. Ich nahm einen Keks. War sicher nur Deko. Schmeckte trotzdem. Die Rauchkringel hatte ich aufgegeben. Schaute lieber auf das Flugzeug. Es ist schön.

Ich vernahm ein Schnauben und drehte mich um. Eine alte Oma sah mich frustriert an und schüttelte den Kopf. Ich küsste meinen Mittelfinger. Blöde Oma! Dann ignorierte ich sie.
Ich bastelte einen Serviettenball. Noch ein Keks. Blöde Strumpfhose. Ich zog sie aus. Warf sie gekonnt in den nächsten Mülleimer. Ein Husten neben mir, eine Bestellung. Rotes Gesöff. Furchtbares Zeug. Furchtbar rot, wie mein Kleid. Ich blickte neben mich, schlug dabei dramatisch die Augen auf und zu. Wie in einem Comic-Film. Blinzel Blinzel.
Mir wurde zugeprostet. Dramatischer Augenaufschlag. Vielleicht ging heute Abend ja doch noch etwas. Ich zog mein Kleid hoch, zeigte meinen Oberschenkel. Rot auf Weiß. Verführerisch. Er blickte zu mir. Trank aus. Bezahlte.
Er tippte an seinen Hut und stand auf, den Mantel über seinen Arm. Ein leichtes Grinsen, eine Berührung an meiner Schulter.

Er ist jung.
Nett.
Mir ist langweilig.
Diese Nacht war ich nicht allein.