Mittwoch, 15. Dezember 2010

Message

Ich weiß noch, wann es anfing. Erst war es ein springender Ball. Dann eine Mutprobe. Schließlich der Pinsel und dann die Hand. Augen zeugen von etwas, das mir abgesprochen wurde. Die Zerrissenheit bindet mich. Das, was ich will, kann ich nicht ausdrücken. Jenem Gefühl Ausdruck zu erteilen, vermag ich nicht zu können. Noch weniger scheine ich die Gabe zu besitzen, all das Leid auf jenem zu lösen oder zu mindern, das, welches so schwer auf uns liegt, glaubhaft zu zeigen, damit geöffnet werden, jene Augen, die des Menschen verstand zu seinen scheinen und ihn schließlich dazu bewegen könnten, sich selbst zu hinterfragen, und jene Handlungen die er vollstreckt. Obgleich es nicht viel wichtiger wäre, eigens zu helfen, anstatt den Egoismus die Oberhand ergreifen zu lassen und der Dummheit glauben zu schenken. Was, wenn nicht wir, die scheinbar noch Verstand in sich tragen wollen, kann die Welt daran hindern, kann die Menschen daran hindern, sich selbst zu zerstören und sich am Ende auszulöschen? Lasset Freiraum eindringen, in eure Augen, erblick das Grenzenlose und jene, die diese Freiheit nicht haben. Öffnet die Augen. Hebt die Hand. Sagt, dass sich etwas ändern soll. Ändert es!

Montag, 8. November 2010

[Auszug aus Synphon, 2. Buch]

Das, was sie in dem großen, schwarzen Tempel erwartet hatten, waren Gesänge und schrille Glocken, junge Tempelpriesterinnen und bunte Gemälde. Stattdessen erklang nur die sanfte Melodie eines Klaviers und erfüllte den Raum. Vermummte Gestalten standen vor großen, beschriebenen Tafeln, die nur schwer zu entziffern waren, und der Saal wurde durch ein großes Fenster mit Sonnenlicht durchflutet. Etwas irritiert stand die Gruppe in dem großen Eingangstor und betrat mit Herzklopfen die Glaskuppel. Einzelne Türen erkannten sie, die versteckt waren, in dem dicken Gemäuern, führten in kleinere Zimmer, die aber nicht öffentlich waren. Suchend sahen sie sich nach der Quelle des Klavieres um, doch fanden sie nichts, worauf man hätte spielen können. „Vielleicht kommt es aus einem der angrenzenden Zimmern …“ flüsterte Gina und Amira nickte zustimmend. Der Raum, in dem sie sich befanden, war so gewaltig, dass man sich lediglich traute, zu flüstern, aber ja nicht laut zu sprechen. Die vermummten Personen wirkten wie Tempelfrauen, waren aber nicht einschüchternd, sondern wie eine Zierde des großen Raumes. Überwältigt gingen sie getrennte Wege und fingen an, die großen Tafeln zu lesen, oder einer Frau zuzuhören, die ein paar Kindern gerade etwas erzählte. Das Klavier begleitete sie bei jedem ihrer Schritte und zwang sie so auf eine unsichtbare Linie, eine Schrittfolge, die sie ungeahnt befolgten und schließlich in einer Schleife wiederholten.

Mittwoch, 3. November 2010

Viertelstunde vor Beginn des Lebens

Viertelstunde vor Beginn des Lebens



Ich hörte wie er weinte. Er hatte ihn betrogen. Wieder. Es war schon so oft passiert. Und immer wieder hatte er ihm verzogen. Und jedesmal betrank er sich, wenn er es erfuhr, schwor sich, ihm nie zu verzeihen und weinte. Wie immer. Und immer wieder versicherte er mir, dass er ihn diesmal in den Wind schießen würde, dass er jemand neues fände, jemand besseren, der ihn nicht immer wieder mit immer wieder mit der Selben betrügen würde. Doch nie wurde etwas daraus. Am nächsten Tag kam er zu ihm, versicherte, dass er seine wahre Liebe sei und alles war vergessen. Immer wieder.

Es war bereits das 6te mal.

Ich saß an der Theke, rauchte eine Zigarette und hatte meine hohen Schuhe achtlos auf den Boden geworfen, da mir meine Füße von dem vielem Tanzen weh taten. Ein Glas Martini stand vor mir, halb leergetrunken, doch die Olive war noch im Glas. Ich kaute auf dem Spießchen herum und schaute immer wieder zu seinem Zimmer hinüber. Die Tür war angelehnt. Ich konnte mir vorstellen, wie er jetzt da saß, auf seinem Bett, den Kopf in den Händen und weinend. Das Weinglas verschüttet und der Teppich rot verfärbt, doch man würde den Fleck nicht sehen. Im Zimmer war kein Licht an, nur das Mondlicht fiel ins Zimmer. Fotos lagen zerstreut im Zimmer, manche zerrissen, manche heil. Der Ring, den er ihm als Verlobungsgeschenk schenken wollte, lag in seiner Hand, getroffen von Tränen.

Meine Strumpfhose nervte. Ich beschloss sie auszuziehen. Ein befreiendes Gefühl. Wieder ein Schluck Martini. Zum Glück war niemand sonst hier. Ich hätte bestimmt Ärger bekommen, dass ich die Sachen so achtlos auf den Boden warf. Ich überschlug meine Beine, geschmeidig schmiegten sie sich aneinander, ein angenehmes Gefühl. Der Alkohol von diesem Abend war nicht gut für mich. Ich trinke nicht. Nur heute. Ich nahm mein Glas in die Hand und ging zu unserer Balkontür. Die Nachbarschaft schlief schon, ein beruhigendes Gefühl. Doch das Weinen störte mich in meiner beruhigenden Nacht.

Ich ging zu ihm, verschränkte die Arme und lehnte mich an den Türrahmen, während ich in schweigend ansah, das Martini Glas in der Hand. Er hob den Kopf, er hatte wirklich so da gesessen, wie ich es mir gedacht hatte, und sah mich mit verquollenen Augen an. „Du trinkst?“ fragte er, „Das ist selten.“ „Wir waren aus. Es ging nicht anders.“ Er lächelte leicht, „Wer ist wir?“ Ich schwenkte das Glas, „Lucas und ich…“ „Ahh…“ er schien sich an den Mann erinnern zu können, „Der große Blonde, oder? Ich finde, ihr passt gut zu einander…“ Ich nahm einen Schluck, „Ahh, ich halte nichts von Lucas. Er ist gut zum Tanzen und um mir die Männer vom Hals zu halten, aber sonst… Naja.“ „Dann spielst du also mit ihm?“ fragte er mich und sah mich mit traurigen, blauen Augen an, „Das hat er nicht verdient, Joy“

Ich schüttelte leicht den Kopf und er lächelte wieder, sah aber furchtbar müde aus. „Hey….“ sagte er dann nach einer Weile und sah mich wieder an, „Kannst du mich mal in den Arm nehmen, Jesse-Joy?“ Er hob seine Arme und ich stellte mein Martiniglas auf dem kleinen Tischleich ab, ehe ich ihn umarmte. Er zog mich auf seinen Schoß, schmiegte sich an mich und seufzte tief. „Ich bin dir nicht böse, Jesse-Joy, nein… ich bin überhaupt nicht böse, auch nicht auf Dan, nein…“ murmelte er dann. Ich hatte also recht gehabt, doch ich schwieg. Ich wollte ihm jetzt nicht auch noch weh tun, in dem ich sagte, dass ich es schon immer gesagt hatte.

Ich strich ihm durch die Haare, so wie ich es immer tat, wenn es ihm schlecht ging. „Lucas ist ein netter Mann…“ „Nett für dich oder mich?“ Er lachte und schmiegte sein Gesicht in meine Halsbeuge, „Für dich natürlich, Jesse-Joy. Du musst endlich einen Mann finden, der dich glücklich macht!“ „Und wenn ich auch so glücklich bin?“ Er sah mich grimmig an, „Niemand ist glücklich, wenn er allein ist, Jesse-Joy, und du auch nicht!“ „Nur weil du nicht alleine glücklich sein kannst, heißt das nicht, dass ich es auch nicht sein kann!“ giftete ich ihn an, doch er schraubte sofort zurück, „Ist ja gut, Jesse-Joy, ist ja gut. Sei nicht sauer auf mich. Alle dürfen böse auf mich sein, aber nicht Jesse-Joy, das mag ich nicht!“ Er legte seine Arme um meine Hüften und zog mich enger an sich, „Nicht böse sein, ja?“ „Ist ja gut, ich bin nicht böse!“ Er legte den Kopf in den Nacken und sah mich direkt an, „Du solltest jemand ganz tolles haben, Jesse-Joy. Keinen Blödmann wie Dan, nicht so ein Blödmann. Nein, einen Gentleman, einen ehrlichen und zuvorkommenden Mann. „ „Mit einem dicken Geldbeutel!“ sagte ich, doch er biss mir neckisch in die Schulter, „Jesse-Joy, es kommt nicht aufs Geld an, willst du das denn nicht verstehen?“ Ich schloss hochnäsig die Augen, „Doch, mir schon!“ „Jesse-Joy…“ stöhnte er und lehnte den Kopf an meine Brust, „Wann wirst du nur endlich vernünftig?“ „Das gleiche könnte ich dich fragen…“ meckerte ich und sah aus dem Fenster. Dann sah ich auf das umgekippte Weinglas und musste grinsen.

„Was hat Dan gemacht?“ fragte ich nach einer Weile und er stöhnte genervt auf, ehe er sich fester an mich drückte, „Angelina! Angelina heißt sie!“ Er schnaubte, „Er bräuchte mal was anderes, hat er gesagt… tzz“ „Und wenn er recht hat?“ fragte ich ihn und er sah mich mit glasigen Augen an, „Womit?“ „Damit, das er mal was anderes brauchte… Du weißt schon, Brüste und so…“ Er schnaubte wieder, „Die hat er gefälligst nicht zu brauchen, wenn er mich hat, kapiert?“ Jetzt war er wütend, er zitterte leicht, „Und überhaupt! Angelina! Dan und Angelina! Das klingt doch überhaupt nicht! Danny und Dan, das klingt gut, aber doch nicht Dan und Angelina, tzz!“ Ich schwieg eine Weile und lies ihn zur Ruhe kommen, „Vielleicht wollte er einfach mal wieder etwas fühlen, was schwächer und zarter ist, als er?“ Er sah mich eine Weile an, ehe er sich neugierig aufsetzte, „Wie meinst du das?“ „Naja, eure Körper ähneln sich doch sehr. Und der von Mann und Frau sind grundverschieden… vielleicht spielt das eine Rolle. Das gäbe ihm zwar keine Ausrede, aber es wäre ein Teilaspekt, oder?“ Er sah mich verwirrt an, „Ich versteh nur Bahnhof…“ Dann wimmerte er und warf sich auf sein Bett, ehe er das Gesicht im Kissen versteckte. Ich massierte seine Schultern, „Ich habe dir immer gesagt…“ „Jaa, ich weiß, Jesse-Joy, ‚Dan ist ein Blödmann‘ hast du gesagt, jaja…“ „Und ich hatte Recht…“ Er schwieg eine Weile, ehe er sich wieder umdrehte, „Meinst du wirklich, Dan brauchte… etwas zartes?“ Ich zuckte mit den Schultern, „Ich bin nicht Dan, ich weiß es nicht…“ Er sah auf den Boden und schien zu überlegen, „Dann kann er vielleicht gar nichts dafür…“ Ich haute ihm auf die Wangen und er sah mich verdattert an, „So ein Blödsinn! Natürlich kann er was dafür! Es ist doch seine Entscheidung…“ „Aber…“ „Nichts aber! Dan ist und bleibt ein Arschloch!“ Er sah mich mit großen Augen an.



„Wahrscheinlich hast du Recht…“ Er ließ den Kopf hängen und lächelte traurig, ehe er seine Hände auf die Augen legte und erneut begann zu weinen. Ich setzte mich auf seine Beine, nahm seine Hände in meine und sah ihn für eine Weile an. Rote Ränder hatten sich unter seinen Augen gebildet und eine leichte Salz-spur lief über seine Wangen. Er sah schrecklich aus. Und dann war er wie ein Baby, das nach der Brust der Mutter suchte, nur dass mein Mund die Brust war. Zärtlich und doch kräftig zogen seine Arme meine Schoß plötzlich dichter an seinen, seine Brust spannte sich und seine Hände streiften mein Kleid ab. Unser Atem strich übereinander, aufgeheizt, obwohl es kühl war in dem Zimmer. Die Uhr tickte und man hörte nur unser Küssen. Es ging schnell, und es war keine Liebe dabei. Nur tiefe Zuneigung, Freundschaft, Leidenschaft, Verlangen. Kräftig stieß er zu, war aufgeladen von Wut und Trauer zugleich, doch tat es nicht weh und ich genoss das Gefühl, in seinem Armen versinken zu können. Wieder und wieder keuchten wir leicht auf, unsere Haut klebte aneinander und ich fühlte mich wie eine Knospe, die durch einen kräftigen Sonnenstrahl aufblühte, als ich meinen Höhepunkt erreicht hatte. Kurz nach mir hatte auch er seinen Moment, fing an heftig zu zittern, keuchte laut und brach dann auf mir zusammen. Ich wusste, dass er nicht an mich gedacht hatte, doch ich genoss das Gefühl, dass er erschöpft, nackt und hilflos auf mir lag. Zärtlich strichen seine Hände über meine Haut, ehe er den Kopf hob. „Verzeih mir…“ flüsterte er und küsste mich sanft, „Ich bin ein furchtbarer Mensch…“

Nach einer Weile stand ich auf und zog mich an, zumindest meine Wäsche, das Kleid würde ich eh nicht mehr anziehen wollen. Ich streckte mich ausgiebig und fing an, etwas Ordnung in dem Zimmer zu machen. Schließlich öffnete ich die Fenster und lies die kühle Morgenluft hinein. Von der Straße hörte man leichten Autoverkehr und geringen Trubel. Der Himmel hatte sich bläulich gefärbt. In 15 Minuten würde der erste Sonnenstrahl zu sehen sein. Ich drehte mich um und ging zu dem Bett, ehe ich lächelte, „Lust auf einen Morgenkaffee? Ich lad dich ein…“ Verschlafen drehte er mir den Kopf zu und grinste dann, „Auf deine Kosten gerne… aber mit viel Zucker. Wie früh ist es?“ Ich ging zu der Tür und sah mich um, das angenehm kühle Morgenlicht fiel durch die Fenster, „Eine Viertelstunde vor Beginn des Lebens…“

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Abend am Flughafen

Ich nahm einen Zug von meiner Zigarette und blies den Rauch in den kalten Winterabend. Ein weißer Nebel entstand. Ich blinzelte mir die Müdigkeit aus den Augen und beobachtete die blinkenden Lichter der Landebahn nicht weit entfernt von meinem Haus. Ein tiefer Atemzug. Die Luft war kalt.
Ich lag draußen, eingewickelt wie eine Raupe, in einem Korbstuhl, der zum Inventar des Hauses gehörte, das ich für eine Woche gemietet hatte. Eine kleine Holzhütte, umgeben von Tannen und nahe am Flughafen. Es war billig, weil viele Menschen den Lärm der Flugzeuge nicht mochten. Ich aber liebte es. Neben mir stand eine dampfende Kaffeetasse und ein Schnulzenroman, den ich vor einiger Zeit begonnen hatte. Meine Hand hielt eine Zigarette. Sie glimmte, sobald ich einen Zug nahm. Dann fiel die Asche lautlos hinunter. Ich sah ihr dabei zu. Was wohl mit ihr passieren würde?
Müde glitt mein Blick wieder zum Flughafen. Wie von Geisterhand rauchte ich und genoss die scheinbare Stille, die wie Gleichgültigkeit wirkte. Die Lichter der Flugzeuge funkelten. Sie winkten mir zu.
Erneutes Ziehen. Die Zigarette war zu Ende. Eine Neue. Es qualmte schön. Vermischte sich mit meinem Atem. Eigentlich rauchte ich nicht. Nur im Urlaub.
Meine Decke rutschte von den Beinen und ein kalter Wind streifte sie. Eine Gänsehaut legte sich über sie. Da kam mir der Gedanke des Ausgehens. Immerhin war mir langweilig. Vielleicht war am Flughafen ja Party. Was sollte ich anziehen? Das rote Kleid, mit tiefen Ausschnitt wäre sicher gut. Es umspielt die Brüste sehr schön. Sicher eine gute Entscheidung.
Ich bestellte ein Taxi. Ein Gelbes. Extra chic. Nur für mich. Es dauerte, bis es da war. Egal. Den Taxifahrer sah ich nicht an. Der Weg war kurz, ich hätte auch zu Fuß gehen können. Aber so fühlte ich mich wichtig. Ich stieg aus und stöckelte in den Eingang. Die Türen öffneten automatisch. Die Eingangshalle wurde von sterilem Licht durchflutet. Mit meinem roten Kleid und Pelzmantel war ich ein starker Kontrast.
Es war wie ausgestorben. Eine Putzfrau kreiste mit einem Geräte durch die Halle und einzelne Passagiere hingen über den Bänken, schlafend. Ich stöckelte zur Rolltreppe, tick tick tick, um zu sehen, ob oben etwas los war.
Oben gab es eine Bar. Klein. Leer. Mit Jazz Musik. Ich mochte Jazz. Diese Musik passte zu meinem Kleid. Von Oben hatte man einen guten Überblick. Aber es gab nichts aufregendes. Ich ging zur Bar, setzte mich schwungvoll auf einen der Barhocker und bestellte einen Amaretto. Mein Blick glitt nach draußen, zu den großen Maschinen. Sie wurden bestimmt gerade geputzt und gewartet. Ob die Crew noch an Bord war? Die Maschine war groß. Groß für mich. Ich mochte große Dinge.
Ich nahm einen Schluck. Es schmeckte nach Mandeln. Wieder steckte ich mir eine Zigarette an. War Rauchen hier verboten? Würde sicher drauf hingewiesen werden, wenn es so wäre. Kräftig zog ich und versuchte Rauchkringel entstehen zu lassen. Klappte nicht. Noch ein Versuch. Noch ein Schluck.
Langeweile. Ich lies meine Beine baumeln. Nervige Strumpfhose, ich hätte keine Anziehen sollen. Der Barmann warf mir kurz einen Blick zu und putzte Gläser. Das ihn das nicht deprimierte. Mich würde es sicher. Ich nahm einen Keks. War sicher nur Deko. Schmeckte trotzdem. Die Rauchkringel hatte ich aufgegeben. Schaute lieber auf das Flugzeug. Es ist schön.

Ich vernahm ein Schnauben und drehte mich um. Eine alte Oma sah mich frustriert an und schüttelte den Kopf. Ich küsste meinen Mittelfinger. Blöde Oma! Dann ignorierte ich sie.
Ich bastelte einen Serviettenball. Noch ein Keks. Blöde Strumpfhose. Ich zog sie aus. Warf sie gekonnt in den nächsten Mülleimer. Ein Husten neben mir, eine Bestellung. Rotes Gesöff. Furchtbares Zeug. Furchtbar rot, wie mein Kleid. Ich blickte neben mich, schlug dabei dramatisch die Augen auf und zu. Wie in einem Comic-Film. Blinzel Blinzel.
Mir wurde zugeprostet. Dramatischer Augenaufschlag. Vielleicht ging heute Abend ja doch noch etwas. Ich zog mein Kleid hoch, zeigte meinen Oberschenkel. Rot auf Weiß. Verführerisch. Er blickte zu mir. Trank aus. Bezahlte.
Er tippte an seinen Hut und stand auf, den Mantel über seinen Arm. Ein leichtes Grinsen, eine Berührung an meiner Schulter.

Er ist jung.
Nett.
Mir ist langweilig.
Diese Nacht war ich nicht allein.