Montag, 8. November 2010
[Auszug aus Synphon, 2. Buch]
Das, was sie in dem großen, schwarzen Tempel erwartet hatten, waren Gesänge und schrille Glocken, junge Tempelpriesterinnen und bunte Gemälde. Stattdessen erklang nur die sanfte Melodie eines Klaviers und erfüllte den Raum. Vermummte Gestalten standen vor großen, beschriebenen Tafeln, die nur schwer zu entziffern waren, und der Saal wurde durch ein großes Fenster mit Sonnenlicht durchflutet. Etwas irritiert stand die Gruppe in dem großen Eingangstor und betrat mit Herzklopfen die Glaskuppel. Einzelne Türen erkannten sie, die versteckt waren, in dem dicken Gemäuern, führten in kleinere Zimmer, die aber nicht öffentlich waren. Suchend sahen sie sich nach der Quelle des Klavieres um, doch fanden sie nichts, worauf man hätte spielen können. „Vielleicht kommt es aus einem der angrenzenden Zimmern …“ flüsterte Gina und Amira nickte zustimmend. Der Raum, in dem sie sich befanden, war so gewaltig, dass man sich lediglich traute, zu flüstern, aber ja nicht laut zu sprechen. Die vermummten Personen wirkten wie Tempelfrauen, waren aber nicht einschüchternd, sondern wie eine Zierde des großen Raumes. Überwältigt gingen sie getrennte Wege und fingen an, die großen Tafeln zu lesen, oder einer Frau zuzuhören, die ein paar Kindern gerade etwas erzählte. Das Klavier begleitete sie bei jedem ihrer Schritte und zwang sie so auf eine unsichtbare Linie, eine Schrittfolge, die sie ungeahnt befolgten und schließlich in einer Schleife wiederholten.
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